Elektrik kompletter Neuaufbau


Die bestehende Elektrik habe ich immer schon im Blickfeld für eine Generalsanierung gehabt. Es waren unterschiedliche Kabel ziemlich wirrwarr im ganzen Boot verteilt. hinter dem Schalterpanel ein Knäuel an verschiedensten Kabel, Lüsterklemmen, Isolierband-Geflechten, etc. Jetzt ist die Zeit gekommen, im Zuge der vielschichtigen Reparatur – und Erweiterungsarbeiten auch die Elektrik neu zu machen. Zur Erinnerung, Gatsby war einst ein Prototyp der P750. Bei diesem Prototypen ging es der Werft in erster Linie um das Testen der Rumpfform, die Elektrik wurde mehrmals verändert um das Optimum zu ermitteln, was zum o.g. Zustand führte. Ein fertiges Modell der P750 ist selbstverständlich mit einer ordentlichen Elektrik ausgestattet.

Planung

im Vorfeld habe ich alle Verbraucher in einem Verbraucherplan erfasst. Dann habe ich zu jedem Verbraucher die Leistungsaufnahme und die Kabellänge ermittelt, um dann die Kabeldimensionen berechnen zu können. Hier die erstfassung, diverse Änderungen kamen nachträglich noch hinzu (UW-Bel. vorne, etc.) Elektrik-Verbraucherplan Hilfreich hierbei war das Excel Dokument zur Verbraucherberechnung und die Anleitungen unter http://www.kavenga-segeln.de/41776.html . Ich bin mit einigen Abwandlungen in etwa so vorgegangen, wie es dort beschrieben ist. Insgesamt habe ich rund 200 m Kabel verbaut. Verwendet habe ich Litzenkabel von Helutherm, welches verzinnte Litzen hat und GL (Germanischer Lloyd) zertifiziert ist. Die Enden habe ich mit Aderendhülsen versehen. Als Verteiler habe ich 2-polige Phönix Reihenklemmen mit Zugfeder verwendet. Beschriftet habe ich die Kabel mit Beschriftungsgerät, jede Beschriftung wird durch transparenten Schrumpfschlauch geschützt. Ungeschützte Aufkleber lösen sich nach meiner Erfahrung binnen ein paar Monaten ab, deshalb der zusätzliche Schutz. einen Schaltplan habe ich erstellt, sieht so aus:

Schaltpläne_V2

12V Netz

Von den Batterien aus habe ich 25mm2 zu den Hauptschaltern gelegt. Hautpschalter verwende ich 3 Stück. Einen für Motor, einen für Service und einen, um beide Batterien zu verbinden. Falls die Starterbatterie mal aus ist, könnte man die Service Batterie so auch zum Motorstarten zuschalten. Die beiden Batterien werden über ein VSR zusammengeschalten, wenn Ladespannung vom Motor (bzw. von der Lichtmaschine) anliegt. Ein Relais trennt bei Landstrom das VSR von der Masse, um es dem Ladegerät zu ermöglichen, die Batterien einzeln getrennt mit der optimalen Ladekennlinie zu laden. (mehr dazu unter „Landstrom Anschluss“) Von den Hauptschaltern führt eine Leitung zur Hauptsicherungsbox (Blue Sea 100). Diese ist mit den zu den erwarteten Strömen passenden Schwerlastsicherungen ausgestattet. Die Panels sind mit 80A  abgesichert, die Ankerwinde mit 40A. Weitere Sicherungen für Bilgepumpe und Funkgerät werden hier auch noch dazukommen, die Steckplätze sind einkalkuliert. Vom Haupsicherungskasten gehen 25mm2 Leitungen zum Verteilerkasten. Dort habe ich das komplette 12V Netz über eine Hutschiene und 2-Polige Phönix Reihenklemmen (Federklemmen) gelöst. Die Federklemmen haben in der oberen Etage die Masse aufgelegt und mimt entsprechenden Verbindern durchgeschliffen.  Das Hauptzuleitungskabel mit 25mm2 ist auf einer ausreichend dimensionierten Klemme weiter links im Bild aufgelegt. Von dort aus geht es auf die Panels. Ein Phillipi Schalterpanel und ein selbstgebautes reines Sicherungspanel. Vom Schalterpanel geht es dann direkt auf die Reihenklemmen, von Sicherungspanel aus geht es zuerst ins Cockpit zu den Carling-Schaltern, die für den Fahrbetrieb nötig sind (sprich die ich schnell erreichen können möchte), anschliessend auf die Reihenklemmen. Cockpit Carling-Schalter:

  • Hupe
  • Fahrlicht
  • Ankerlicht
  • Bugscheinwerfer
  • Ankerwinde
  • Instrumentenbeleuchtung / Beleuchtung Seitenkonsole
  • Unterwasserbeleuchtung
  • Reserve

Auch die Steckdosen sind über das Sicherungspanel geschalten, aber die gehen direkt auf die Reihenklemmen. Die Reihenklemmen rechts im Bild sind für die LED Treiber / WLAN LED Treiber und LED Verstärker. Jedes Kabel ist an beiden Enden beschriftet. Mit Beschriftungsgerät und transparentem Schrumpfschlauch habe ich eine dauerhafte Beschriftung erreicht. Die LED Beleuchtungen habe ich vor der Sammelschiene (nach den Schaltern am Panel) über eine Spannungsstabilisierung geschalten, welche die Spannung konstant auf 12V hält, auch wenn die Batterien geladen werden. Eine höhere Spannung an den LED’s lässt die zu erwartende Standzeit nämlich stark schrumpfen, LEDs mögen keine Überspannung 🙂 Die indirekte Beleuchtung in den Nischen der Längsstringer in der Bugkabine habe ich mit einem LED Streifen in warm-weißer Lichtfarbe ausgeführt, das ergibt ein angenehmes und relativ sparsames Licht. Deckenbeleuchtung und indirekte Beleuchtung kann ich mit einem Doppelschalter einzeln einschalten. Eine 12V Steckdose gibt es auch, diese habe ich knapp zum Gummistropp-Netz angebracht, so kann man das iPad oder Handy während des Ladevorganges sicher stauen.   Die Motorinstrumente habe ich auf LED Hintergrundbeleuchtung umgerüstet. Diese Beleuchtung kann man mittels „Instrumentenbeleuchtung“ – Schalter einschalten, ein 7812 Baustein stabilisiert auch hier auf 12V. Zusätzlich zum Multi-instrument von Suzuki (jetzt endlich ein Zeigerinstrument *freu*) kommt Trim-Anzeige, Treibstoffanzeige und Ruderlagenanzeige. Bei der Treibstoffanzeige hatte ich das Problem, dass ich 2 einzelne Tanks in den Backskisten habe. Die Tanks leeren sich zwar relativ gleich, aber dennoch nicht genau gleich. Um eine korrkte Situation bestimmen zu können, habe ich einen Umschalter für linker / rechter Tank unter dem Instrument eingebaut und die Geber darüber geschalten. Eine Ruderlagenanzeige habe ich auch eingebaut. Den Geber dafür zu montieren ist bei einem Aussenbordmotor extrem schwierig. Die Baystar Steuerung ändert beim Trimmen die Lage… Ich habe aus Aluminium eine Halterung für den Geber gebaut und diese direkt an die Stange der Steuerung montiert. Aus Messing / Bronze diverse Teile angefertigt und mit einer Messingstange die Übertragung auf den Geber realisiert. Es hat einiger Anläufe bedurft, ehe diese Konstruktion auch funktionierte…

Landstrom Anschluss

Auch den Landstromanschluss, nebst Steckdosen und Batterielader (WAECO Perfect Charge IU 252A) habe ich mit GL zertifiziertem Helutherm Kabel (YE 3 x 2,5mm2) ausgeführt. Ein IP67 Gehäuse mit 3 Hutschienen-Plätzen habe ich für die Absicherung und für eine Relaisplatine verwendet. Die Absicherung erfolgt über einen Fehlerstrom Schutzschalter 30mA und einem nachgeschalteten Leitungsschutzschalter 16A. Eine Led mit Vorwiderstand für 220V habe ich in dieses Gehäuse mintiert, damit man erkennen kann, ob Spannung anliegt, bzw. auch, ob die Schutzschalter eventuell gefallen sind. Als Übernahmesteckdose habe ich eine Möhrer CEE Steckdose mit Schraubverschluss verbaut, nachdem  die von SVB angebotene „Mastervolt“ Steckdose ein sehr schwaches Scharnier aufwies, eine Sollbruchstelle meiner Meinung nach. Bei über 150€ für die Dose plus Stecker wollte ich diese nicht akzeptieren. Die 220V Steckdosen im Boot habe ich in Rigipsdosen mit Membran gesetzt, diese sind staubdicht. Als Steckdosen verwende ich welche mit Deckel. Das Ladegerät (WAECO Perfect Charge IU 252A) ist unmittelbar neben dem Landstrom-Übernahme-Gehäuse angebracht. Ich habe es mit Temperatursensor und Fernbedienung versehen. Ich habe intensiv darüber nachgedacht, wie ich bei dieser Konstellation ein Landanschluss-Ladegerät mit 2 Batterieausgängen parallel zum Laden via Motor / Lichtmaschine betreiben kann. Das Problem ist, dass beim Aussenbordmotor kein separates Lichmaschinen / Ladekabel herausgeführt ist. Dazu ist mir eingefallen, das Massekabel vom VSR über ein Relais zu schalten. Dieses Relais verbindet das Massekabel vom VSR nur dann, wenn keine 220V Landanschluss-Spannung vorliegt. Wenn 220V da sind, trennt das Relais die Masse und das VSR kann damit die Batterien nicht mehr zusammenschalten. Diese Schaltung ermöglicht es dem Ladegerät, die einzelnen Batterien mit der besten Ladekennlinie zu laden. Das Relais habe ich im Landanschluss-Gehäuse untergebracht. Verkabelt sind die Ladekabel zu den Batteriepolen wieder wie üblich mit Helutherm, hier in 6mm2.

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