Mallen anfertigen


Der erste Schritt ist das anfertigen der Mallen. Mallen sind das temporär verwendete Schablonen-Gerippe. Es besteht aus mehreren Platten, die jeweils den Querschnitt des Bootes an einer definierten Stelle darstellen. Auf diese Mallen werden später die Planken montiert. Man kann die Mallen auch aus einer Sperrholz, – Preßspan – oder OSB Platte (wie ich sie beim Kanubau verwendet habe) sägen. Beim Segelboot habe ich mich zu Fichten-Massivholz entschieden. Den kompletten Ablauf des Mallenbaus habe ich in diesem Eigenbau Bericht festgehalten.

Die Vorteile von Massiver Bauweise liegt darin, dass es einfach schöner zum hobeln und anzeichnen ist. Auch sieht man die angezeichneten Plankenlandungslinien besser. Ich finde es auch gut, dass die fertigen Mallen keine ganze Platte darstellen, die bis auf die Helling heruntergeht, sondern nur einen Rahmen bilden. So kann man beim Beplanken  das Boot krabbeln und man hat dann etwas mehr Platz zum Säubern der Verbindungsstellen von überschüssigen Harz. Auch ist es in dieser Bauweise preisgünstiger, vor allem wenn man wie ich sägeraues Material verwendet und dies selber hobelt.. Der Nachteil liegt im doch stark erhöhten Arbeitsaufwand, muss doch jede Mall aus zwischen 2 und 6 Brettern gesägt, gelascht und verleimt werden, was sich stark in der Bauzeit niederschlägt.

 

Vorgehensweise

Mallen anfertigen. Bretter Hobeln, sägen.

Mallen anfertigen. Bretter Hobeln, sägen.

Die sägerauen Bretter 200 x 24 x 3000 hoble ich auf 15mm Stärke, anschlieߟend säge ich sie auf der Kreissäge auf Endmaß 150 x 15 x 3000. Die 5cm Abschnitt verwende ich für die Überblattungen bei den Stößen. Dann lege ich den 1:1 Linienplan für die Mallen auf eine gerade Tischplatte. Die Bretter lege ich darauf, säge passende Abschnitte auf Länge und Gehrung. Dann entferne ich den Plan und klebe die einzelnen Teile zu einem halben Mall zusammen, verstärke die Stöße zusätzlich mit verklebten und verschraubten Brettchen. Als Klebstoff benutze ich Epoxy mit 403er Fasern. Das hält für gewöhnlich bombig. Nach dem Aushärten kann ich die Mallenhälften mit der glatten Seite nach oben (die Verstärkungsbrettchen sind unten) auflegen. Darüber Kohlepapier und darüber wiederum den Mallenplan.

Ich habe auch die Nagel Methode probiert, aber die Nägel verrutschen sehr leicht beim Auflegen und erzeugen einen breiten Abdruck. Auߟerdem entstehen auch Ungenauigkeiten, wenn man die Nagelabdrücke mit einer Straklatte verbindet. Alles in allem eine für mich unzureichende Genauigkeit.

Rücken auf Rücken montierte Mallhälften - fertig zum Sägen

Rücken auf Rücken montierte Mallhälften – fertig zum Sägen

Deshalb pause ich die Linien vom Plan direkt auf das Holz. Den Plan und das Kohlepapier entferne ich und ziehe mit Kugelschreiber alle Linien nach. Auch die Positionen von Weger, Wasserlinie, Duchten, Sitzauflagen, etc habe ich angezeichnet. Für diese Dinge verwende ich eine andere Farbe. Die Mallen montiere ich nun Rücken an Rücken mit Abstandsleisten dort, wo die Verbindungsbrettchen nicht sind mit Spaxschrauben zusammen. Die Linien sind auf der Oberseite und am Bild gut zu erkennen. Jetzt kann ich die Bretter zusammen auf der Bandsäge aussägen. Das garantiert zwei idente Teile. Die 2 Bretterschraube ich nun mit den glatten Seiten Gesicht zu Gesicht zusammen. Dann hoble ich die noch sägerauen Kanten und schleife diese. Dann übertrage ich die Landungen der Planken und die restlichen Linien über die beiden Brettkanten und markiere alles deutlich.

Mall-hälften aussägen

Mall-hälften aussägen

Fertige Mall-Hälften

Messen MS zu Schergang und Helling zu Kielschweinkante

Messen Mallhöhe

Jetzt messe ich an den Plänen die Strecke zwischen Helling Oberkante und der Kielschwein Unterkante. Auch die Entfernung zwischen Mittschifflinie und Schergang messe ich und notiere alle Werte. Diese Werte brauche ich, um die beiden Mallhälften akkurat ausrichten zu können. Für das Ausrichten habe ich mir auf einer alten Tischplatte eine Basislinie entlang der Längskante gezogen und mittig eine weitere Linie im Rechten Winkel dazu. Die beiden Linien stehen extrem genau zueinander und sind groß bemaßt. Damit kann ich nun zum Beispiel den Linienplan schräg auflegen und die Helling Oberkante so ausserhalb des Blattes verlängern, ohne Papier anstückeln zu müssen. Die Linienpläne sind nämlich nicht bis zur Helling am Blatt, ausserdem ist die Hellingkante schräg. Mit dieser Platte ist das Messen der Abstände aber sehr einfach möglich (siehe dazu Rechtes Bild oberhalb und das linke Unterhalb dieses Textes). Jetzt kann ich die Hälften exakt zueinander ausrichten und die beiden Hälften mit geschraubten und geleimten Überplattungshölzern verbinden. Unten bekommen die Mallen als Auflagefläche zur Helling einen Fichtenkantel 50 x 50 verpasst. Dann zeichne ich noch die Mittschiffslinie durch. Ich überprüfe das Ganze aber vor dem Verleimen nochmals auf absolute Symmetrie, indem ich am „Nullpunkt“ meiner Zeichenplatte einen Nagel verwende, um mit einem Stahllineal auf verschiedene Plankenlandungspunkte backbords und steuerbords messe. Meine Bemühungen waren nicht vergebens, die Mallen sind sehr genau geworden:)

Überprüfen auf Symmetrie

Überprüfen auf Symmetrie

Verleimen der Mallhälften

Verleimen der Mallhälften

Der fertige Mallensatz

Der fertige Mallensatz

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.