Die erste Planke (Kielgang) anfertigen


Jetzt kann es endlich ans Planken gehen :mrgreen: Die Kielplanke der Caledonia Yawl fertige ich in diesem Eigenbau Bericht an. Sie wird aus zwei Hälften „Bruynzeel Suprahecht“ Sapeli Sperrholz mit 10mm Stärke geschäftet, verklebt mit Epoxyharz und bündig gefräst anhand der Straklatte der Trossenschablone.

Sperrholz Zwingen

Sperrholz Zwingen

Aber zuerst möchte ich noch etwas Vorarbeit leisten. Ich habe bei diesem nun schon zweiten Bootbau-Projekt schon eine beachtliche Zwingen-Menge angesammelt, immer wenn ich wo billige kleine Zwingen sehe, kaufe ich welche. Rund 40-50 dürften es sein… Trotzdem komme ich immer wieder in die Situation, die letzten Zwingen zusammensammeln zu müssen und die Zwingenabstände weiter legen zu müssen als ich das eigentlich beabsichtigt hatte. Iain Oughtdred hat in seinem Buch empfohlen, mit eigenbau-Zwingen zu arbeiten, welche aus Sperrholz 12mm angefertigt werden. Ein Rechteck mit 70 x 250mm wird ausgesägt. Mittig wird ein Ausschnitt mit 18 x 210mm gesägt. Diese „Zwingen“ werden dann mit Keilen gespannt. Ich säge, bohre, schleife also 40 solcher Zwingen in verschiedenen Maßen. Die Keile möchte ich fertig kaufen, mal sehen ob ich die zu einem vertretbaren Preis bekomme. update: Die Keile sind unverschämt teuer, auߟerdem in den gewünschten Maßen schwer zu bekommen. Eine halbe Stunde in der Stadt mit dem Auto rumzugondeln – lieber schneide ich die Keile selbst aus Abfallbrettern auf der Bandsäge. Ein Brett mit entsprechendem Ausschnitt am Anschlag geführt macht die Arbeit schnell. Am Tellerschleifer (Drechselbank-Eigenbau-Vorrichtung mit Tisch) putze ich die Schnittflächen ab. in einer 3/4 Stunde habe ich 50 perfekte Keile für Lau.

Trossenschablone Kielgang

Trossenschablone Kielgang

Heute hat Leon Zeit, mein jüngerer Sohn. Mit ihm gemeinsam fertige ich die erste Schablone für die Kielplanke an der Steuerbordseite an. Zwei lange Mahagonileisten 10 x 25 x 5.000mm zwinge ich genau auf die zukünftigen Plankenlandungen. Leon sägt die Querleisten und trägt mit der Heißklebepistole Kleber auf. Ich lege die Leisten auf und schieße sie mit Klammern 18mm an. Die Fertige Schablone ist wie ein Stahlträger mit winkelig angebrachten Distanzleisten ausgestattet und kann von den Mallen heruntergenommen und auf die Planken übertragen werden. Inzwischen ist das Sperrholz endlich eingetroffen. Ich säge anhand der Trossenschablone die 2 Teile der Planke. Zu  beachten ist das Übermaß an der Verbindungsstelle für die spätere Schäftung. Ich habe für diese 80mm kalkuliert (Schäftung 1:8 bei 10mm Plankenstärke). Mit der Stichsäge säge ich rundum ein Übermaß von 5-10mm. Die Schäftungsstelle messe ich mehrmals genau nach und zwar mit der aufgelegten Trossenschablone.

Eine mittig minimal schief angelegte Plankenhälfte produziert eine zentimetergroße Abweichung an den Außenkanten. Ich nehme mir vor, beim Ausrichten der späteren Verleimung unbedingt die Schablone aufzulegen, sonst wird es an irgendeiner Stelle zu kurz werden 🙁

Wegen der Schäftung habe ich viel Recherche betrieben. Mit welchem Werkzeug kann man diese am besten anfertigen, händisch oder mit Vorrichtung? Ich habe mich nach einigen Überlegungen zu einer Vorrichtung für die Oberfräse entschieden.
Nachteile: Geräusch & Staubentwicklung, langsames Abtragen, aber schneller als mit dem Handhobel
Vorteile: Genaueste Schäftungen, relativ schnell anzufertigen, Spannen in der Vorrichtung vereinfacht.
Diese Vorrichtung muss ich jetzt anfertigen; Wieder eine Arbeit, die man eigentlich nicht in die Bootsbauzeit mit einkalkulieren kann. Beim nächsten Boot würde man hier auf bestehende Vorrichtungen zurückgreifen können, genauso wie bei den Zwingen.

Schäftung markieren

Schäftung markierenSchäftung markieren

Die Vorrichtung besteht aus einer Grundplatte und 2 schrägen Seitenbrettern mit 1:8 Verhältnis. Endanschläge habe ich unten montiert, damit die Fräse später nicht von der Vorrichtung herunterrutscht. Die Fräse ist mit 2 Regalschienen verbunden, für deren Befestigung ich 3 M4 Gewinde in den Aluguss der Fräse geschnitten habe. Die Schienen sind an den Aussenkanten mit Abstandshölzern versehen, an die ich die Endanschläge so angebracht habe, dass ich diese hochdrehen kann. An der Vorrichtung selber habe ich mit einem Querholz, welches auf die schrägen Seitenbretter montiert ist eine Spannvorrichtung hergestellt. Durch dieses Querholz bohre ich vertikal Löcher für M12 Schrauben.

Einspannen Schäftungsvorrichtung

Einspannen Schäftungsvorrichtung

An der Unterseite lasse ich die M12 Muttern ein und sichere diese mit CA Kleber. Jetzt kann man von oben die Schrauben eindrehen und so Druck auf eine Druckleiste, die wiederum auf das Sperrholz drückt, aufbauen. Vorne sichere ich das Sperrholz zusätzlich gegen aufbiegen mit doppelseitigem Klebeband. Mit 2 Abfallstücken mache ich ein paar Tests und verbessere das ganze solange, bis eine sehr exakte Schäftungsfläche entsteht. Das Doppelklebeband darf nicht zu weit an der vorderen Kante angebracht sein, weil es sonst die sehr dünne Kante vom Sperrholz bricht.

Gefräste Schäftungen

Gefräste Schäftungen

Bei der ersten Schäftung habe ich das Problem. dass die Platten am Rand etwas höher liegen. Ich habe bemerkt, dass das an der etwas gewölbten Unterplatte liegen dürfte. Deshalb habe ich an die Konstruktion seitlich noch 2 Leisten angebracht mit Torbandschrauben und Flügelmuttern versehen. Damit kann ich die ganze Konstruktion bei der nächsten Schäftung an der Tischplatte festschrauben. Die fertig geschäfteten Plankenabschnitte lege ich aneinander und richte sie mit der aufgelegten Trossenschablone aus, damit rundum ein Überstand von 5-10mm bleibt.

Verleimen der Schäftung

Verleimen der Schäftung

Dann streiche ich die Schäftungsflächen mit reinem Epoxy ohne Bindemittel ein. Dann mische ich den Rest der Harzmischung mit Sägemehl und Baumwollfasern zur „Erdnussbutter“-Mischung an. Einstweilen zieht das aufgetragene dünne Epoxyharz ein. Ich streiche den kleber auf beide Schäftungsflächen beider Planken, drehe diese um, passe sie anhand der beim ausrichten angebrachten Markierungen mit Krepp am Tisch ein und zwinge diese mit einem 60x80mm Pfosten zusammen.

Rohzustand der Schäftung

Rohzustand der Schäftung

Im halbgehärteten Zustand nehme ich den Druckbalken ab und putze das ausgetretene Harz mit einer Schaberklinge ab. Nach dem vollständigen Aushärtenschleife ich den Rest mit meinem Bandschleifer ganz vorsichtig ab. Danach zwinge ich die Trossenschablone unter die Planke und besäume die Planke mit einem Bündigfräser, der an der äußeren Straklatte der Trossenschablone läuft. Das ergibt eine wunderbar strakende Kante, die genauso läuft wie die Schablone. 

Bündigfräsen an der Straklatte der Trossenschablone

Bündigfräsen

Geputzte Schäftung

Geputzte Schäftung

Fertige Kielplanke (rechts)

Fertige Kielplanke (rechts)

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